Non Volio Itinerar

II Los Angeles - San Francisco mit dem Rad

Mein Rad vor der Golden Gate BridgeEin Fahrrad-Tour der besonderen Art ist hier zu beschreiben. Eine Radreise auf dem Highway 1 von Los Angeles nach San Francisco, rund 800km in 10 Tagen zu fahren. Die Reise stellte Herausforderungen an Mensch und Maschine, an zeitliche Organisation und an die Bereitschaft, einfach gerade aus zu fahren.
Tag 1 Anreise
Mit USAirways von Frankfurt nach Los Angeles. Der große Vorteil: Das Fahrrad gilt als ein Gepäckstück, und es kann in Frankfurt vor Ort in eine Pappkiste verpackt werden. Das Gepäck am Rad geht dann in einem Seesack als zweites Gepäckstück durch. Ankunft in Los Angeles spätabends. Die Pappkiste kann man vor Ort wegwerfen, das Gepäck wird ans Fahrrad gehängt und der Lenker wieder gerade vorn festgeschraubt. Dann geht es los. Ich hatte ein Motel6 in der Nähe des Flughafens reserviert. Mit dem Rad kann man dann aus dem Flughafen herausradeln und nach rund 2km kommt man zum Motel, einem Riesenhochhaus. Alles kein Problem.
Tag 2 Los Angeles - Carpinteria
Das Motel hat kein Frühstück, so dass ich ohne Frühstück rausgefahren bin, um den Pacific Coast Bike Path zu erreichen. Den ein wenig langgeradelt kam ich nach Venice Beach, wo ich dann gefrühstückt habe. Entlang des Bike Path bzw. schnell auf dem Highway 1 ging es durch Santa Monica, Malibu, an Point Mugu vorbei, durch Oxnard und Ventura nach Carpinteria. Dort gab es wieder ein Motel6 mit einer Badewanne und einem ordentlichen Bett. Dieser lange, lange Tagtrip passiert unterwegs drei andere Campingplätze, falls man es lässiger angehen lassen möchte.
Tag 3 Carpinteria - Refugio State Beach
Der nächste Tag begann mit einem Frühstück in der "Innenstadt" von Carpinteria, mit Kaffee und Bagels und mit einem Einkauf von Reiseproviant. Dann ging es durch Montecito, Summerland nach Santa Barbara. Nach der Innenstadt von S.B. und dem Campus der Uni ging es hinaus, an El Capitan State Beach vorbei nach Refugio, sicherlich einem der schönsten Campingplätze der Küste. Eine etwas kürzere Strecke als der erste Tag.
Tag 4 Refugio - Santa Maria
Nach einem Snack im Campstore ging es den Highway weiter entlang in Richtung Gaviota Pass, der Stelle, wo der Highway die Küste verläßt, um die Vandenberg Air Force Base (Wikipedia) zu umgehen. Über viele Kilometer führt die Straße durch menschenleeres Ranchland, bis sie Lompoc erreicht. Dort gibt es ein historisches Missionsgebäude aus spanischer Kolonialzeit zu sehen. Über eine steile schöne Straße, die Harris Grade Road, führt die Route in die Berge, nach einer rasanten Abfahrt wieder hinunter. Ziel des Tages war das verschlafene Städtchen Santa Maria, wo ich wieder in einem Motel übernachtete.
Tag 5 Santa Maria - San Luis Obispo
Durch die Obstfelder führte die Route durch Guadelupe, an Grover Beach (endlich wieder das Meer) und Pismo Beach vorbei nach San Luis Obispo, einer netten kleinen College-Stadt mit einer netten, kleinen Jugendherberge, einem echten Youth Hostel, nicht weit vom Bahnhof. San Louis Obispo ist die letzte Möglichkeit, einen Supermarkt zu besuchen, bevor man nach an Tag 9 nach Monterey kommt.
Tag 6 San Luis Obispo - San Simeon (Big Sur)
An diesem Tag habe ich die Zivilisation verlassen: Zunächst ging es über Morro Bay zurück zum Meer, das aber bald wieder außer Sicht verschwand. Der nächste Ort war Cambria, wo es leckeres Essen gibt. Von dort geht es ohne Unterlass immer am Meer entlang durch eine Graslandschaft ohne menschliche Bewohner bis nach San Simeon. (Hier ein Link auf die State Parks der Region.) 
Mit dieser Etappe kommt die Tour in den Bereich von Big Sur, jenem Beereich zwischen, sagen wir, Cambria und Monterey, wo die Strecke auf dem Papier sehr langweilig klingt: Rechts die Berge, in der Mitte die Straße, links unterhalb des Steilhangs, das Meer. Aber Big Sur ist einfach nur großartig, atemberaubend schön, und einzigartig. (Und ab hier bis Monterey dürfen auf dem Highway 1 keine LKW fahren.)
Ich habe abends in einem Motel in San Simeon geschlafen - bei ernsthaften Magenbeschwerden macht Zelten keinen Spaß. Aber einen Zeltplatz gibt es dort auch. San Simeon ist die letzte Möglichkeit, für die nächsten zwei Tage Essen zu kaufen.
Tag 7 San Simeon - Plaskett Creek
Einen Besuch im Hearst Castle sollte man sich nicht entgehen lassen. Das Personal ist nett und schließt die Packtaschen bestimmt ein. Ich habe ihn mir nicht entgehen lassen, bin also erst gegen Mittag von San Simeon gestartet und nur bis zum Campingplatz Paskett Creek gekommen. Dieser ist wunderschön am Meer gelegen und wildromantisch und ohne warmes Wasser. Für die Strecke dahin gilt das gleiche: Big Sur eben.
Tag 8 Plaskett Creek - Big Sur
Big Sur. Was brauche ich noch mehr sagen?
Tagesziel ist Big Sur State Park, mit Restaurant, warmem Wasser und einem Campstore.
Tag 9 Big Sur - Monterey
Auf den letzten Kilometern dieses Abschnittes legen die Natur und die Straßenplaner nochmal einen drauf: Gandiose (anstrengende) Trassenführung mit großartigen Brücken prägt den Tag. Mit dem verschlafenen Carmel wird die Zivilisation wieder erreicht, mit Pebble Beach wird einer der coolsten Golfplätze der Welt berührt, und dann ist man plötzlich in Monterey - nach dem 17MileDrive. Auch da gibt es ein Hostel, am Ende der Cannery Row (Steinbeck!). Plötzlich wieder Menschen, Autos und Lärm. Das ist sehr, sehr merkwürdig, nach drei Tagen woanders. Aber dafür gibt es eines der weltweit schönsten Meerwasseraquarien in Monterey.
Tag 10 Monterey - Santa Cruz
Ein merkwürdiger Tag, durch die Vororte, durch die Obst- und Gemüsefelder. An der Straße lang. Ich habe an dem Tag keine Fotos gemacht. Irgendwie ist es eine Riesenenttäuschung nach drei Tagen an der Küste, hier wieder in die Städte, in die Suburbs hineinzukommen. Kurz vor Santa Cruz gibt es einen Campingplatz, aber ich war wieder in einem Hostel in der Innenstadt in der Nähe des Strandes.
Tag 11 Santa Cruz-Montara
Man fährt auf dem Radweg raus, die Stadtgrenze naht, man kommt am Denkmal für den weltersten Surfclub vorbei, die Küste, nicht mehr ganz so wildromantisch wie an den Tagen zuvor, ist immer noch atemberaubend schön. Das Wetter wird kälter, nördlicher, nebliger. Höhepunkte an der Küste sind u.a. Pigeon Point Lighthouse und am Ende, nach der Half Moon Bay, der Leuchtturm in Montara, wo auch das Montara Hostel steht, in das ich mich angesichts des Wetters zurückgezogen habe. Montara bietet eine Abkürzung über die Berge zum Flughafen von San Francisco, ohne an der Innenstadt oder der Bucht vorbeizukommen.
Tag 12 Montara-San Francisco
Ach ja, man kommt in eine Großstadt, eine der Metropolen der westlichen Welt. Die Anfahrt ist noch immer schön, obwohl sowohl (bei meiner Tour) der Nebel als auch der Verkehr in den Vororten zunehmen. Man kommt am Golden Gate Park vorbei und endlich, endlich war ich an der Brücke (Bild s.o.). Hier, endlich angekommen, verließ mich spontan mein Siegeswille. Nein, keine 20km bergauf mehr zu einem - angeblich - traumhaft schönen Zeltplatz in den Redwoods, nein nicht mehr nach Point Reyes. Stattdessen rund 3km zum Marin Headlands Hostel, einer nicht ganz so dollen Absteige vor den Toren der Stadt.
Tag 13 San Francisco Innenstadt
Die Reise ist zu Ende. Ich habe noch zwei Tage Luft im Plan, und diese Luft habe ich einen ganzen Tag in San Francisco verbracht. Übernachtung im Innenstadt-Hostel war ok, eher banal und unterer Durchschnitt, aber angemessen, um sich auf zu Hause zu freuen.
Tag 14 San Francisco Innenstadt-Flughafen
Noch ein Tag in der Stadt, mit Fahrt zum Flughafen. Eine interessante Strecke, mit den obligatorischen suburbs, aber man trifft eben auch den Camino Real wieder. Abhängen am Flughafen spät abends, Übernachtung im Flughafen. Ich weiß natürlich nicht, ob das heute noch geht.
Tag 15 Abflug
Morgen gegen 07:00Uhr der Abflug mit USAirways, deren Schalterpersonal wieder die Pappkiste für den Transport zur Verfügung stellten.

Geht es schneller? Ja, wenn man Hearst Castle ausläßt und unterwegs täglich noch mehr Strecke macht. Wenn man die zwei Sicherheitstage in San Francisco ausläßt.
Ich bin von Süd nach Nord gefahren. Das hatte zwei Nachteile: Zum einen war es gegen die vorherrschende Windrichtung, zum anderen hat man auf den schönen Passagen immer die volle Breite der Straße zwischen sich und dem Meer. Das ist schade. Der einzige Vorteil dieser Strecke ist, dass man morgens früh aus Los Angeles herauskommt. Wenn man von Norden in die Stadt fährt, kommt man im Feierabendverkehr in die Stadt hinein und muss abends in der Nähe des Flughafens das Motel bzw. Hotel finden. Das sollte man, finde ich, vermeiden. Aber das ist Geschmackssache.

Benutzte Literatur (die die Nord-Süd-Variante vorschlägt):
Cycling USA - West Coast. Lonely Planet Guide 2002.

Links
http://www.re.org/eric/bike-trip/


© Non Volio 2006